Vermeidungsstrategie… 7 mögliche Gründe, weshalb du wegen ihr nichts auf die Reihe bekommst

Gefühlte tausend unerledigte Dinge türmen sich mal wieder auf deinem Schreibtisch. Einzelne Stapel sind bereits kurz davor einzustürzen, und das Chaos zu vergrößern. Chaos auf deinem Schreibtisch, Chaos in deinem Kopf. Du weißt sowieso schon nicht mehr, wo du anfangen sollst. Dein Widerstand wächst, und dir fallen spontan etliche Dinge ein, die du unbedingt und viel dringender erledigen müsstest. Außerdem würden die dir auch viel mehr Spaß machen. „Ok…“, denkst du dir, „… also heute lasse ich es dann noch mal. Aber morgen … morgen fange ich ganz sicher an!“

Erkennst du dich wieder? Dann hat dich dein Instinkt, unangenehme Dinge zu vermeiden, voll im Griff!

Also Achtung! Freispruch!! Es ist nicht einfach nur Faulheit, Lustlosigkeit oder Schwäche! Es ist dein ganz natürlicher Instinkt und liegt somit in der Natur der Sache!

Verschiedene Vermeidungs-Typen sind zu unterscheiden:

Typ 1: Genetisch bedingt möchtest du Gefahr vermeiden

Sicherheit anzustreben ist ein uns angeborener Instinkt. Und was ist die beste Strategie, um sich sicher zu fühlen?  Gefahr vermeiden! Unser Gehirn definiert Gefahr sehr unterschiedlich. Vor 100.000 Jahren bedeutete Gefahr noch, von einem hungrigen Löwen gejagt zu werden. Um heute in unserem Gehirn die Verknüpfung von Gefahr herzustellen, reicht es völlig aus, wenn uns ein unliebsames Telefongespräch bevorsteht, oder wir eine anstrengende Konversation führen müssen. Interessant ist, dass unabhängig davon, ob tatsächlich eine realistische Gefahr besteht, sie als gefährlich und vermeidungswürdig wahrgenommen wird! Und alleine aus diesem Grund versuchst du sie zu vermeiden!

Typ 2: Du bist im Schock – oder Gefrierzustand

Nach der Vermeidungsstrategie wirft sich die Frage auf, wie man bei wahrgenommener Gefahr, (ob objektiv gesehen realistisch oder nicht), reagiert. Hier gibt es 3 unterschiedliche Möglichkeiten. Fühlt man sich z.B. Im Fight or Flight Modus (der hungrige Löwe der uns jagt, und der Moment, in dem es für uns um Leben oder Tod geht), reagieren wir reflexartig entweder mit Kampf, Wegrennen ODER: Einfrieren. Jawohl! Man hört einfach auf, sich zu bewegen. So kann jeder Auftrag, der von dir unbewusst als eine Drohung wahrgenommen wird dafür sorgen, dass du gefrierst. Erstarrst. Unbeweglich wirst. Du tust einfach gar nichts mehr! Und das ist letztendlich nichts weiter als eine pure Stressreaktion. Aber gleichzeitig auch eine sehr starke Vermeidungsstrategie, die dafür sorgt, dass weiterhin alles unerledigt bleibt.

Typ 3: Dir fehlt die Motivation

Manche Aktivitäten ziehen uns magisch an. Wir bekommen Energie durch sie und haben Spaß. Andere Aktivitäten kosten uns Energie und wir müssen uns zwingen, oder brauchen erheblichen Druck, um sie zu tun. Wir haben schlicht keine Motivation, Dinge zu tun, die uns Energie rauben! Wir machen es nicht. Einfach, weil wir es nicht mögen! Wenn man dann keinen Druck von irgendwoher hat, (wie z.B. eine Deadline für einen Arbeitsauftrag), kann man sich sicher sein, dass die Erledigung der Aufgabe unendlich dauern kann oder nie erledigt wird.

Typ 4: Du bist ein Rebell

Ein unbewusster Vorgang, meist durch Konditionierung in der Kindheit. Studien zeigen  einen eindeutigen Zusammenhang zwischen strengen, kontrollierenden Vätern, und dem Vermeidungsverhalten bei Kindern. Der Grund ist, dass zu viel Autorität dazu führt, dass Kinder ihre Fähigkeit sich selbst zu regulieren, bzw. Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, nicht erlernen können. Ständig bekommen sie gesagt, was sie tun sollen und was nicht, und es wird ihnen befohlen, wie sie etwas tun sollen. Kinder haben unter diesen Umständen nicht die Möglichkeit, ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und nach ihnen zu handeln. Hier gibt es nicht viele Optionen. Vermeidung kann sich dann durch eine Art aktiv-passive Rebellion äußern. Unglücklicherweise gewöhnt sich das Gehirn sehr schnell an diese Strategie der Vermeidung und ist schnell fest darauf programmiert, diesen Vorgang dauernd zu wiederholen. Dies wiederum führt dazu, dass dieser Zustand für den Rest des Lebens bestehen bleiben kann.

Eine stark autoritäre Erziehung kann sich auch in einem sehr niedrigen Selbstwertgefühl beim Kind äußern. Das Kind fühlt sich nicht fähig genug ist, die jeweilige Aufgabe zu bewältigen. Wenn Eltern zu streng und zu kontrollierend sind, und das Kind für alles erst um Erlaubnis bitten muss, ist die Botschaft, die sich in seinem Gehirn festsetzt: Ich bist nicht in der Lage, die Dinge selbst zu erledigen! Und wenn ein Kind dauerhaft diesem Erziehungsstil ausgesetzt ist, hat es gespeichert, dass es keinen Sinn macht, überhaupt für etwas die Initiative zu ergreifen. Es muss ja ohnehin immer erst auf Zustimmung warten.Es weiß nicht, wo und wie es anfangen soll und wie etwas alleine zu bewältigen ist.

Typ 5: Du neigst zum Perfektionismus

Perfektionismus bedeutet nicht automatisch Perfektion! Denn eine Konsequenz daraus ist, dass die Person, die etwas perfekt haben möchte, niemals zufrieden mit dem Endergebnis ist. Somit wird auch niemals etwas fertig, weil immer noch etwas verbessert werden muss. Mit dem Ergebnis, dass es ewig dauert, bis etwas als erledigt abgelegt werden kann.

Typ 6. Yippie…Zeitdruck und Herausforderung

Brauchst du dringend den zeitlichen Druck einer Deadline, oder eine spezielle Herausforderung, um dein Bestes geben zu können? Wenn du dich hier wiedererkennst, wirst du jetzt bestimmt nicht gerne hören, dass dies tatsächlich nur der scheinbare Grund ist! Unter Zeitdruck, oder als Herausforderung getarnt, fühlt sich dein Wunsch nach Vermeidung einfach nur viel besser an! In Wirklichkeit funktioniert unser Gehirn aber unter Druck oder mit dem Rücken zur Wand im Stressmodus überhaupt nicht gut, und schon gar nicht besser!  Qualitätsarbeit lässt sich nicht unter Druck erledigen! Es entsteht nur das Gefühl, Unglaubliches in kurzer Zeit geleistet zu haben. Durch dieses Gefühl schüttet das Gehirn Dopamin aus, im Volksmundals Glückshormon bekannt. Hier wird also auch nur vermieden, aber abhängig vom Umstand. Und zwar in dem Sinne, das alles, was herangetragen wird, von unglaublicher Wichtigkeit ist. So wichtig, dass nicht unterschieden wird zwischen wichtig und wirklich dringend. Alles wird gleich stark bewertet. Dies führt meist dazu, dass Deadlines dann doch nicht eingehalten werden konnten, weil…na ja…es kam halt etwas wichtiges dazwischen…! Es fehlt an Planung und Organisation.

Typ 7: Abhängig vom Glücksgefühl

Bei Typ 6 erwähnte ich bereits Dopamin. Es ist ein Glückshormon und kann abhängig machen wie Drogen, Glücksspiel, usw.  Du fühlst dich einfach gezwungen, immer erst etwas anderes zu tun. Etwas, das dich antreibt, dich glücklich und zufrieden macht. Workaholic, Shopaholic, Videospiele, Facebook,… alles ist viel wichtiger, als die anstehende Aufgabe. Die leidige Pflicht kommt immer erst anschließend. Nachdem die Sucht gestillt ist. So kommt man gar nicht erst dazu, etwas zu vermeiden oder aufzuschieben… Man ist schlicht viel zu beschäftigt mit seiner Abhängigkeit, um irgendwas anderes tun zu können.

Solltest du dich hier in irgendeiner Weise wiedererkannt haben, oder vielleicht eine Mischung aus vielen der o.g. Typen sein, keine Bange! Jetzt, wo du weißt, warum und wie Vermeidungsstrategie funktionert und warum Menschen so reagieren, wie sie es tun, kann ich dich beruhigen. Man kann das stoppen und ändern!

In meinem nächsten Blog schreibe ich dir, wie das geht! 🙂

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Alles Liebe

Susanne

 

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